Verschwendungssucht
Fotoserie „One Third“ von Klaus Pichler

„Im März 2011 veröffentlichte die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) eine Studie über Nahrungsmittelverschwendung. Daraus geht hervor, dass weltweit im Durchschnitt ein Drittel der gesamten Lebensmittelproduktion verloren geht, je nach Produkt 25% bis 75%. Insgesamt werden pro Jahr 1,3 Milliarden Tonnen an Nahrungsmitteln weggeworfen, während es im globalen Süden periodisch (…) zu schweren Hungerkrisen kommt.”

Nicht mehr lecker: Schokoladen Kekse (Place of production: Polch, Germany, Production method: Factory production, Time of production: All- season, Transporting distance: 868 km, Means of transportation: Truck, Carbon footprint (transport) per kg: 1,07 kg, Water requirement (total) per kg: unknown, Price: 5,65 € / kg)

Dieser so kurze wie auch schockierende Abriss stammt aus dem neunseitigen Project Statement zu der Fotoserie „One Third“ von Klaus Pichler. Der Autodidakt, der sich in seinen freien Projekten ausschließlich mit Dingen beschäftigt, die ihn faszinieren, hat für das aktuelle Projekt, um die oben genannte Tatsache drastisch zu verdeutlichen, Lebensmittel gekauft, sie verrotten lassen, unglaublich ansehnlich präpariert und in ästhetische Fotos verwandelt. Vor schwarzem Hintergrund tauchen sie dann auf: die verschimmelten Schokokekse auf einem goldenen Servierblech, die fliegenumschwirrten Erdbeeren in einer Silberschale oder gammelnden Kirschen zwischen kleinen Bronzefigurinen. Pichler, der in Wien lebt, will einerseits mit seinen Bilder aufrütteln, andererseits mit den dazugehörenden Bildunterschriften informieren. Wo kommt dieses Essen her?

Alles andere als frisch: Erdbeeren (Place of production: San Giovanni Lupatoto, Verona, Italy , Cultivation method: Foil green house, Time of harvest: June – October, Transporting distance: 741 km, Means of transportation: Truck, Carbon footprint (total) per kg: 0,35 kg, Water requirement (total) per kg: 348 l, Price: 7,96 € / kg)

Denn schon lange ist es nicht mehr so einfach zu sagen: Ich ernähre mich vegetarisch, also tue ich nicht nur mir sondern auch der Umwelt Gutes. Wenn die Kirschen aus Chile, die Erdbeeren aus Italien und die Kekse aus Deutschland in Wien angekarrt werden, haben sie einen ordentlichen CO2 Fußabdruck hinterlassen – ganz zu schweigen vom Wasserverbrauch oder gar den Produktionsbedingungen.Dabei will der Fotograf keineswegs den Zeigefinder erheben. Jeder soll essen wie und was er oder sie möchte, doch man sollte im Auge behalten, was man mit seinem Verhalten unterstützt und wie viele Lebensmittel man tatsächlich braucht. Die Erwartungshaltung immer und überall die gewünschte Zutat zu erhalten und das auch möglichst frisch, führt genauso zu Verschwendung, wie  der eigene übersteuerte Einkauf. Das Gute ist aber, dass jeder von uns mithelfen kann das zu ändern.

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